Buenos Aires Shortstorys

Über meine Zeit in der Hauptstadt

Zweieinhalb Wochen bin ich nun in Buenos Aires gewesen und war natürlich nicht untätig. Allerdings habe ich den Blog diesbezüglich etwas schleifen lassen. Dies hat damit zu tun, dass ich unter der Woche viel Zeit damit verbracht habe zur Schule zu gehen und auch danach noch etwas Spanisch zu lernen. Außerdem war ich teilweise Nachmittags oder Abends noch unterwegs. Das ganze hat mich ziemlich erschöpft und im Umkehrschluss die Motivation gemindert regelmäßig noch einen Artikel zu schreiben. Ein paar meiner Erlebnisse möchte ich euch allerdings nicht vorenthalten und habe sie deshalb für euch zusammengefasst.

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1. The Problem with Cash

Wie üblich wollen wir mal wieder mit dem wichtigsten beginnen: Geld. Argentinien hat ein großes Problem mit seinem Finanzsystem. Seit Jahren schlittern sie von einer Krise in die Nächste und finden keine Lösung. Dies zeigt sich in der hohen Inflationsrate, die jährlich zwischen 25% und 40% liegt. Deren Währung, der argentinische Peso, ist dementsprechend stark entwertet. Bis kurz vor meiner Ankunft war die höchste verfügbare Banknote der 100-Pesoschein, was umgerechnet sechs Euro sind. Einen Betrag den man bei uns also mit einem oder zwei Scheinen abdecken kann, bedeutet hier, dass man gleich ein Bündel von 20 Scheinen dabei haben muss. Hinzu kommt, dass das Preisniveau laut Umrechnungskurs in etwa vergleichbar mit dem in Deutschland ist. Ergo ist man gezwungen immer eine Menge Papiergeld dabei zu haben.

Der springende Punkt an der Geschichte ist, dass die Geldautomaten auf Grund der hohen Nachfrage nach Banknoten ganz einfach oft keine mehr haben. An meinem ersten Tag in Buenos Aires habe ich an sieben Bankautomaten versucht Geld abzuheben und keiner ist mir auch nur mit einem Scheinchen entgegengekommen. Zunächst dachte ich es wäre ein Problem meiner Kreditkarte, aber auch die Argentiner waren nicht in der Lage Geld zu beziehen. Da sich hier keiner wirklich darüber aufzuregen schien, habe ich angenommen, dass das hier wohl öfter vorkäme. Bei der Stadtführung wurde mir das bestätigt. Außerdem habe ich gelernt, dass die Rentner jeden Mittwoch einen Teil ihrer Rente ausbezahlt bekämen. Der Tag an dem ich es so oft versucht habe war ein Mittwoch. Da kamen mir die Rentner wohl zuvor.

2. Burger mit Florian

Erinnert ihr euch noch an Francés en Buenos Aires? An diesem Tag bin ich mit Vincent aus Frankreich durch die Stadt gezogen. Zum Mittagessen haben wir uns mit Florian getroffen, welchen er aus der Uni kannte und gerade ein Auslandssemester in Buenos Aires macht. Damals habe ich ihm gesagt, dass ich noch länger in Buenos Aires bleiben würde, und wir haben unsere Nummern ausgetauscht.

Letzten Sonntag hat er mich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte mit ihm zu einem Burgerfesitval in Palermo zu gehen. Warum denn nicht, also haben wir uns für 14 Uhr verabredet. Wir haben uns beim Hipodromo, der Pferderennbahn der Hauptstadt, getroffen. Dort war ein riesiges Festivalgelände mit unzähligen Burgerständen aufgebaut. Auch hier ist mir mal wieder die kollektive Ordnung der Argentinier ins Auge gefallen. Hierzulande ist es normal für alles eine schöne Schlange zu bilden. Sei es für das Anstellen an der Bushaltestelle, in der Bäckerei oder hier beim Festival. Jeder stellt sich feinsäuberlich hinter seinen Vordermann. Ich glaube das Wort „drängeln“ kennt man in Argentinien gar nicht.

Wir haben uns jeweils einen Burger geholt und uns auf die Zuschauertribüne der Pferderennbahn gesetzt. Bedauerlicherweis hat an diesem Sonntag kein Rennen stattgefunden, aber der Burger und die Unterhaltung waren jedenfalls sehr zufriedenstellend.

Danach sind wir auf einen kleinen Besuch in die Spielehalle unter der Pferderennbahn gegangen, welche unfassbar groß war. Ich weiß nicht warum, aber hier saßen ausnahmlos Leute ab 60 aufwärts, die ihr Geld wie Marionetten in die Spielautomaten warfen. Ich glaube ich habe noch nie so viele alte Menschen an einem Ort gesehen. Dieser gigantische Keller ohne Tageslicht, erfüllt vom Klimpern der Spielautomaten und deren buntem Blinken macht mich traurig. Kein einziges Lächeln habe ich hier gesehen und dennoch habe ich das Gefühl, dass die Pensionäre an Sonntagen nichts anderes vorhaben als ihren Tag hier zu verbringen und einen Schein nach dem Nächsten einzuspeisen.

Trotzdem konnte ich der Versuchung nicht widerstehen nicht auch wenigstens einmal mit etwas Kleingeld mein Glück zu probieren. Natürlich habe ich mal wieder sofort alles verloren und darauf hin sind wir hoch an die frische Luft und ans Tageslicht.

Um die Stimmung ein wenig zu heben sind wir dann zu den großen Parks von Palermo gelaufen. Das Wetter war hervorragend und das hatten auch die anderen Besucher und Bewohner dieser Stadt bemerkt. Die Parks waren voll von Leuten, welche in Gruppen zusammensaßen, Mate-Tee tranken und den Sonntag in vollen Zügen genossen.

Hier gibt es Rosengärten, Tretbote, Tanzveranstaltungen, Skate-Contests und vieles mehr, sprich jede Menge Leben. Das tut mir nach dem Casinobesuch sehr gut.Wir schlendern eine Weile durch die Gärten und unterhalten uns. Ständig wechseln wir zwischen Spanisch und Französisch, wenn meine Kenntnisse nicht mehr ausreichen, das ist lustig.

Schließlich kommen wir noch zum Planetarium, welches auf Grund der Menschenmassen allerdings unmöglich zu besichtigen ist. Nicht weit davon tummelt sich eine große Menschenmasse um einen Baum. Die Leute kreischen wie wild und fangen immer wieder an zu singen. Wir rätseln ob das eine Art von Spiel ist, das auf den Ästen und innerhalb des Laubes stattfindet; danach sieht es nämlich aus. Dann erfahren wir allerdings, dass sich ein bekannter Fußballspieler auf diesen Baum geflüchtet hat, um von den Horden nicht überrannt zu werden und um dort ein paar Autogramme zu verteilen. Fußballverrücktes Land.

3. Buchhandlung im Theater?

Zwei mal pro Woche bietet meine Spanischschule verschiedene Ausflüge zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten an. Einmal sind wir ins Museum von Evita Peron, umstrittene Volksheldin und Ehefrau des ehemaligen Staatspräsidenten, gegangen. Ein anderes Mal haben wir das Ateneo besucht. Bis ins Jahre 2000 war es ein großes Theater mit täglichen Aufführungen. Die damalige Krise zwang viele Argentinier einen großen Teil ihres Freizeitbudgets zu streichen, weswegen zu dieser Zeit viele Theater schließen mussten. Die Eigentümer dieses Theaters waren allerdings nicht blöd und haben kurzerhand die größte und vielleicht eindrucksvollste Buchhandlung Südamerikas daraus gemacht.

Auf den Logen und in der Mitte haben heute unzählige Bücherregale die Zuschauerplätze ersetzt. Die Bühne besteht aus einem kleinen Café, wo man sich in Ruhe in ein Buch vertiefen oder einfach einen Kaffee aus Schauspielerperspektive trinken kann. Das haben wir auch gemacht. Anbei findet ihr ein Foto von meinem ersten Spanischlehrer Leandro, meiner Mitschülerin Arnhild aus Luzern und mir.

4. At A French Kid’s Flat

Während meiner Zeit in Buenos Aires bin ich dauerhaft im gleichen Hostel geblieben. Damit war ich allerdings nicht der Einzige. Mit der Zeit habe ich mich mit einigen der Sesshaften und den Mitarbeitern angefreundet. Wir haben öfter mal zusammen gekocht und gemeinsame Abende verbracht. An einem Abend sind einer der Mitarbeiter aus Kolumbien, sein Freund aus Chile, ein Franzose, welcher darauf wartet, dass sein Motorrad über den Atlantik verschifft wird und ich gemeinsam ausgegangen. Zunächst ging es in den Supermarkt, um dann anschließend in der Wohnung einer Freundin zu kochen. Sie ist Französin und lebt nun schon seit 2 Jahren in Buenos Aires. Auf meine Nachfrage konnte sie mir allerdings auch nicht erklären, warum man hier so viele Franzosen treffe. Jedenfalls versucht sie sich hier ihren Lebensunterhalt mit Sachsophonspielen zu verdienen, was mehr oder weniger gut klappt.

Bei ihr haben wie gemeinsam gekocht, gegessen und den Abend mit ein paar Bier genossen. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen. Zum Abschluss sind wir noch auf die Dachterasse gestiegen, von wo aus es einen atemberaubenen Ausblick über die nächtliche Skyline gab.

5. Teatro Colon

Arnhild hat mich letzte Woche darauf hingewiesen, dass es im Teatro Colon am Donnerstag ein kostenloses Konzert geben sollte. Falls ihr euch erinnert ist es das Konzerthaus, welches bezüglich der Raumakkustik zu den besten der Welt zählen soll. Deswegen haben wir uns am Vortag Karten besorgt und sind dann zu einer Vorstellung von jungen Musikstudenten gegangen.

Die Akkustik war gut. Allerdings muss ich zugeben, dass mir der Maßstab zu einer gescheiten Beurteilung fehlt. Auf jeden Fall war es mal interessant dieses Gebäude voller Menschen und Musik zu erleben.

6. La Bomba, Pizza, Fiesta

An einem anderen Abend bin ich mit zwei Französinnen und einem Brasilianer aus meinem Zimmer ausgegangen. Wir wollten zu einem Livekonzert namens „La Bomba de Tiempo“. Das Ganze lag etwa 30 Minuten Fußweg von unserem Hostel entfernt und dort wurden wir erstmal von einer riesigen Schlange für den Ticketverkauf in Empfang genommen. Wir waren dann jedoch doch schneller als befürchtet drinnen. Ich vermute dass der Veranstaltungsort ein ehemaliges Fabrikgelände ist, welches sich nach und nach füllte.

Um acht Uhr ging es dann los. Für zwei Stunden spielte ein Percussionensemble. Es war hervorragend. Gute Rythmen, gute Stimmung und eine tobende Menge. Allerdings kann ich nicht viel dazu schreiben, dass muss man einfach gesehen/gehört haben.

Im Anschluss daran sind wir zu einer berühmten Pizzeria im Stadtzentrum gelaufen. Diese zählt zu den Ältestend des Landes und wurde noch von italienischen Einwanderern gegründet. Allerdings hat die Pizza mit einer dünnen, italienischen nichts mehr zu tun. Diese ist vielleicht sechs Zentimeter dick und besteht zur Hälfte aus Mozzarella. Von daher ist es auch unmöglich mehr als eine Halbe Pizza verputzen zu können. Aber lecker war sie dennoch.

Zurück im Hostel gab es einen riesen Auflauf, da eine der „Längerbleibenden“ heute Geburtstag hatte. Ich habe mich von der guten Stimmung mitreißen lassen und nach ein paar Runden Beerpong sind wir dann noch mit drei Taxis in einen Club gefahren. Was für ein Abend. Und ich musste am nächsten Tag zur Schule, aber ihr kennt mich ja.

7. Brazilian BBQ

Als ich eines Mittags von der Schule heimkam, lud mich ein Brasilianer, den ich gerade erst kennengelernt hatte, dazu ein mit ihm etwas zu essen. Er war gerade dabei auf der Terrasse zu grillen. Das ist eine Art der Leute hier, die ich jetzt schon liebe. Manchmal kaufen sie einfach mehr ein, um dann selbst einen Wildfremden zum Essen einladen zu können. Mein Gastgeber heißt William und ist der Sohn von libanesischen Kriegsflüchtlingen. Dennoch sagt er von sich er wäre durch und durch Brasilianer. Und wenn Brasilianer eines können, dann ist es Grillen, meint er.

Nach dem Essen hat er mich damit auch überzeugt. Die Zubereitung war sehr simpel, aber es schmeckte köstlich. Zunächst wird das Fleisch mit sehr sehr viel grobem Salz gegrillt und anschließend mit gehechselten Tomaten und Zwiebeln vermischt. Ich hätte nicht gedacht, dass das salzige Fleisch so gut mit den ungewürzten Gemüsen harmoniert.

8. CHE Buenos Aires

Ich möchte auch noch ein paar Worte über das verlieren, was ich in Buenos Aires am meisten gemacht habe. Der Name meiner Spanischschule entspricht dem Titel dieses Abschnittes. Es ist eine sehr kleine Schule mit familiärer Atmosphäre, was ich sehr geschätzt habe. Ich hatte das Glück nur eine Mitschülerin zu haben, wodurch ich schlussendlich große Fortschritte machen konnte, da ich sehr viel zum Reden kam.

Im meiner ersten Woche hatte ich Leandro als Lehrer (s. oben) und in der zweiten Woche eine Argentinierin namens Graziella. Sie hat das Tempo nochmal deutlich angezogen. Im Endeffekt bin ich sehr froh meine Reise mit diesem zweiwöchigen Intensivkurs begonnen zu haben. Mitlerweile kann ich mich schon ganz gut verständigen und relativ viel verstehen. Außerdem wurde hiermit nun eine Basis geschaffen, auf welcher ich gut aufbauen kann.

9. From the harbor to the top

An meinem letzten Schultag bin ich mit Leandro nach der Schule noch nach Puerto Madeiro, dem modernen, hamburgähnlichen Hafenviertel von Buenos Aires gegangen. Wir haben dort zunächst gemeinsam in einer Imbissbude gespeist.

Anschließend sind wir an der Hafenmeile entlanggeschländert und haben uns ein wenig unterhalten. Buenos Aires ist bekannt für seine guten Eisdielen, also haben wir uns ein Eis geholt. Es schmeckt in Ordnung, aber ist jetzt nicht herausragend. Hoch lebe das Pampanin. Mit dem Eis sind wir wieder ins Zentrum gelaufen, wo mir Leandro einen echten Geheimtipp zeigte. Keine Schilder weisen darauf hin, aber es gibt in einer Einkaufspassage einen Aufzug, welcher dich bis zum zum vierzehnten Stock fährt. Von Dort kann man dann noch ein paar Treppen nehmen um auf eine Aussichtsplattform zu gelangen.

Das war mal ein gelungener Abschluss für meine Zeit in Buenos Aires. In alle vier Himmelsrichtungen konnte man Blicken und sich endlich die Bestätigung einholen, dass diese Stadt einfach verdammt riesig ist.

Ich habe hier viel gelernt, aber mich hat nun schon seit einigen Tagen das Verlangen geplagt, endlich weiterreisen zu können. Auf Dauer wurde mir diese Stadt einfach zu groß, zu laut, zu europäisch und zu hektisch. Ich sehne mich nach Natur und Ruhe.

Spoileralarm: Ich befinde mich gerade in Uruguay und es geht mir hier sehr gut. Bleibt gespannt.

6 Gedanken zu “Buenos Aires Shortstorys

  1. Super kurzweilig, informativ und ’neid-erregend‘, und jetzt kam sogar noch der Tango zwischen den Zeilen vor (auf dem ersten Bild mit der Wandmalerei (murales) – Danke!).

    Spannend, wie’s weitergeht. Das ‚Haus in Montevideo‘ war mal ein berühmter deutscher Fim, den niemand mehr kennt….. dafür vielleicht eher noch Hannes Wader: heute hier morgen dort, bin kaum da, muss ich fort…

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  2. vielen Dank für die Reise u. Erlebnisberichte. Macht mir viel Freude, bin schon gespannt wie es weiter geht. Habe gerade etwas schönes gelesen. Man wird nie wieder so jung sein wie in diesem Moment. jutta

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