Uruguay 

Wir schreiben den 29.10.16. Es ist Samstagmorgen und ich werde endlich anfangen zu reisen. Nach meinem langen Aufenthalt in Buenos Aires, bin ich motivierter den je mich in Bewegung zu setzen und fremde Welten zu erkunden. Es ist an der Zeit meinen Traum wahr zu machen.

Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von den Leuten im Hostel und gehe dann los, um mir ein Taxi zu suchen. Bereits am Vortag habe ich mir ein Ticket für die Fährüberfahrt nach Uruguay besorgt und bitte den Taxifahrer nun mich zum Hafen zu fahren. Dort muss ich mich zunächst ewig für den Check-In anstellen, dann zum Migrationsamt von Uruguay gehen und schließlich nochmal eine ganze Weile für das Boarding warten. Das ist fast schlimmer als am Flughafen. Meine gute Laune kann mir dadurch aber nicht vermiest werden.

Irgendwann ist es endlich soweit und wir können das Schiff betreten. Die Fußgänger laufen durch einen flughafentypischen Gang zum Oberdeck und darunter finden ein paar Fahrzeuge platz. Alles in allem ist die Fähre etwas kleiner als die Exemplare die wir vom Bodensee kennen.

Als sich die Fähre in Bewegung setzt, heißt es von Buenos Aires Abschied zu nehmen. Im voraus habe ich es mir zwar anders ausgemalt, aber ich muss dieser Stadt keine Träne nachweinen. Ich habe dort viele Erfahrungen gesammelt und viel erlebt, doch es gab genauso viel, was mich an dieser Stadt gestört hat. Jetzt bin ich vor allem eines: Froh weiter zu kommen.

Die Fährüberfahrt dauert nur eine gute Stunde. Wir überqueren den Rio de la Plata, welcher auf Grund seiner Ausmaße oft für einen Ausläufer des atlantischen Ozeans gehalten wird. An dieser Stelle ist der Fluss etwa 50km breit und das Wasser auf Grund des großen Lehmanteils (un)schön braun. Auf folgender Karte, welche ein Geschenk der französischen Partnerstadt meines Zielortes ist, habe ich euch die Route markiert.

Die Atmosphäre auf der Fähre ist etwas seltsam. Auf der einen Seite versucht man den Flair der Schifffahrtstraditionen aufrecht zu erhalten und auf der anderen Seite laufen Failcompilations von Failarmy auf einer großen Leinwand. Zudem rennen alle wie wild in den Schiffseigenen Dutyfree-Shop und versuchen die besten Preise zu ergattern. Ich halte davon ein wenig Abstand und nutze die Zeit um in meinem Reiseführer zu lesen. Ich finde das sollte ich generell öfter machen.

Colonia del Sacramento

Mein Zielort heißt Colonia del Sacramento und ist ein beliebtes Tagesausflugsziel für die Einwohner von Buenos Aires. Sie gehen hier vor allem hin, um der Hektik und dem Trubel ihrer Stadt für eine kurze Zeit entfliehen zu können. Schon fünf Minuten nachdem ich das Schiff verlassen habe, kann ich das absolut verstehen. Alles in dieser Stadt scheint das absolute Kontrastprogramm zu Buenos Aires zu sein. Dieser Ort strahlt eine unglaubliche Ruhe und Frieden aus. Die geplasterten Straßen sind kaum befahren, die Leute sitzen vor ihren (höchstens zweistöckigen) Häusern um Schach zu spielen und es ist nicht das leiseste Anzeichen an Stress zu finden. Das nachfolgende Foto mag zugleich nichtssagend als auch besonders deskriptiv zu sein. Ich war bei meiner Ankunft so erfreut darüber eine leere Straße vorzufinden, dass ich genau das fest halten musste. (Von rechts nach links: Leere Straße, Remi, sein Rucksack)

Ich habe bereits am Morgen ein Hostel gebucht, wo ich nun hingehe und geschwind mein Bett beziehe. Die Sonne zeigt sich an diesem Nachmittag allerdings von seiner schönsten Seite und deshalb gehe ich alsbald auch schon auf eine Runde durch die Altstadt.

Der Kontrast zu meinem vorigen Aufenthaltsort hat daran sicherlich auch seinen Anteil, aber mir gefällt es hier auf anhieb sehr gut. Je mehr ich durch die kleinen Straßen laufe, desto mehr fällt mir auf, wie wenig ich Buenos Aires als Stadt eigentlich mochte. Man muss mal bedenken, wie unglaublich es ist, dass diese Dreizehn-Millionen-Stadt nicht mal einen Strand hat, obwohl sie sich unmittelbar an der Küste befindet…

Ich brauche noch ein paar Minuten, bis ich mir meinen schnellen Gang abgewöhnt habe und gehe dann runter zum Ufer. Die Küste ist hier recht felsig und ich setze mich auf einen Stein, um den Fischern beim Angeln zuzusehen. Gespannt lausche ich dem Rauschen der Wellen und genieße den Moment. Die Ruhe tut mir gut.

Nach ein paar Minuten fahre ich mit meiner Runde fort. Ich komme am Leuchtturm vorbei und gehe zum kleinen Yachthafen der Stadt. Früher starteten von hier die Schmugglerschiffe mit ihren Waren für Buenos Aires. Die Portugiesen haben diesen strategischen Punkt genutzt, um aus dem spanischen Buenos Aires und den umliegenden Ländereien profit zu schlagen. Außerdem war Colonia von großer militärischer Bedeutung, was zur Folge hatte, dass diw Stadt über zehn Mal den Besitzer wechselte. Zwischen Spanien und Portugal muss hier eine regelrechte Fede entbrannt sein, aber auch die Engländer hatten mal ihre Finger im Spiel.

Danach mache ich mich wieder auf den Weg zum Hostel. Mir fällt auf, dass hier entweder chinesische Automarken, oder ganz alte Modelle rumstehen. Das ergibt eine seltsame Mischung aus Tradition und Ultramoderne. Im allgemeinen scheint es den Leuten hier aber ganz gut zu gehen.

Am Abend lasse ich den Tag noch ruhig ausklingen und packe meinen Rucksack um, da meine System bis jetzt für einen längeren Aufenthalt ausgelegt war und nicht fürs Reisen.

Am nächsten Tag habe ich spontan entschieden noch etwas länger zu bleiben. Es hat mir hier so gut gefallen und ich konnte die Ruhe echt gebrauchen. Ich habe den Tag damit verbracht ein bisschen zu lesen und mich über meinen weiteren Verlauf der Reise zu informieren. Außerdem musste ich mit meiner Zeit in Buenos Aires abschließen und habe einige Zeit damit verbracht den letzten Artikel zu schreiben.

Am Nachmittag bin ich auf einen Spaziergang an den Strand gegangen. Auch hier findet man überall Leute die gerade dabei sind Mate zu trinken. Ich habe das Gefühl, dass die Leute in Uruguay noch verrückter danach sind als die Argentinier.

Nachdem mein Bedürfnis nach Natur wieder einigermaßen gestillt war, bin ich wieder zurück zum Hostel und habe mich mental auf ein kleines Abenteuer vorbereitet, welches ich für den nächsten Tag veranschlagt habe. Davon werde ich dann das nächste mal erzählen.

Zum Abend habe ich mich an den Hafen gesetzt und einfach die Stimmung bei etwas Musik genossen. Ich habe zwar den Sonnenuntergang verpasst, aber schön war es trotzdem.

Wie ich so da saß und Musik hörte wurde mir das erste mal wirklich klar, wo ich hier eigentlich gerade bin. Und außerdem wie glücklich ich mich schätzen muss, dass ich eine solche Unternehmung mit meinen 19 Jahren einfach machen kann. Ich lies meinen Gedanken freien lauf und bis der Abend zur Nacht wurde.

6 Gedanken zu “Uruguay 

  1. A mon écrivain voyageur,
    ou plutôt mon voyageur écrivain?:-))

    Je comprends bien que le calme , apres la grande ville, ca repose….
    C’est un peu comme à Névache, ca déconnecte, mais le risque, c‘ est de prendre vite le rythme du coin, calme, ralenti…. Cool, Comme les habitants que TU décrits….
    Alles recharge bien tes batteries à fond avant de partir à l‘ aventure!

    Heureuse de lire que tu réalises de la Chance que TU AS de vivre tout ca à 19/20 ans!! C‘ est bien vrai!!
    Alles profites et vis à 100%!
    Je t’embrasse

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  2. Mein lieber Remi, ich lese hier von einem bereits gereifteren jungen Mann, der durch seine Reiseerfahrungen viel lernen wird, was ihm in der Zukunft bestimmt nützen wird.
    Ich bin erstaunt, wie weise Du schon vieles siehst. Ich verfolge Deine Erlebnisse mit Spannung und wünsche mir ganz heimlich, daß ich auch so eine Gelegenheit gehabt hätte. Ich mußte meine Erfahrungen hier ganz bürgerlich machen (bis auf meine Aufenthalte in Frankreich, England und Amerika, die auch nicht abenteuerlich waren). Mach weiter so, ich begleite Dich im Geiste und mit Liebe. Deine Oma

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    1. Liebe Oma,
      Es freut mich sehr, dass du gespannt mitliest. Ich hoffe euch beiden geht es gut.
      Ich lerne hier sehr viel und auch viel über mich selbst.
      Das ist richtig, ich muss mich sehr glücklich schätzen in einer Zeit leben zu dürfen, in der mir diese Möglichkeit gewährt wird.
      Liebe Grüße,
      Dein Remi

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  3. This one is so cute it actually made me and Trini squeal out loud.
    I must say that I don’t think your packing has improved over the years. We are both looking forward to reading more of your adventures and seeing more videos.

    As always, a big hug.

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