Francés en Buenos Aires

Über einen französischen Tag

Ich liebe es mich mit Menschen aus der ganzen Welt unterhalten zu können. Genau deswegen ist es für mich auch unabdingbar mein Spanisch zu verbessern. Darum soll es heute allerdings nicht gehen.

Free Walking Tours

Buenos Aires kann von Viertel zu Viertel sehr unterschiedlich sein. In Falle meines Hostels, welches in San Nicolas liegt, sind die Straßen hier nachts und frühmorgens fast wie ausgestorben. Tagsüber geht es ins andere Extreme. Dies liegt daran, dass San Nicholas gemeinsam mit Montserrat das mikroökonomische Zentrum der Hauptstadt darstellen. Es reihen sich hier Geschäfte an Geschäfte verschiedenster Art. Ihr Freizeit wollen die Einwohner jedoch woanders verbringen und so verlagern sich die Menschenmassen gegen Abend nach Recoleta und Palermo in den Norden der Stadt. Ich wollte diese Viertel mal kennenlernen und habe mich auf den Weg zu einer „Free Guided Tour“ gemacht. Diese geführte Tour auf Trinkeld-Basis bot mir die Möglichkeit ein paar interessante Dinge über den Norden der Stadt zu erfahren.

Wir starten am Teatro Colón, welches eines der besten Opfernhäuser/Theater der Welt sein soll, was die Akkustik des Raumes angeht. Überhaupt soll es hier eine sehr lebendige Theaterszene geben. Laut dem Guide besitzt Buenos Aires mehr teatros als New York. Ich kann den Vergleich zwar nicht überprüfen, aber auf meinen Wegen durch die Stadt habe ich bisher tatsächlich sehr viele Theater und Ticketverkäufe gesehen.

Bevor wir wirklich loslaufen weist uns der Guide darauf hin unbedingt auf unsere Kameras und Wertsachen acht zu geben und diese nicht unnötig herumbaumeln zu lassen. Große Touristengruppen scheinen ein beliebtes Ziel für Taschendiebe zu sein. Ich habe mich in dieser Stadt bisher sehr sicher gefühlt, aber ich kann die Warnung des Guides nachvollziehen. Vorsicht ist eben besser als einem Dieb hinterher schauen zu müssen, wie er mit deiner Kamera wegrennt.

Wir laufen ein wenig und kommen an einer großen Synagoge vorbei. In Argentinien gibt es anscheinend sehr viele Juden und der Großteil von Ihnen lebt in Buenos Aires. Judenfeindlichkeit ist allerdings auch hier nicht unbekannt und so kommt es, dass die zwei größten Bombenanschläge des Landes Mitte der neunziger Jahre auf ein jüdisches Viertel und das jüdische Kulturzentrum von Buenos Aires verübt wurden. Dabei kamen über Hundert Menschen zu Tode. Auf Grund von Verstrickungen in der Regierung und Korruption, wurden die Täter bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.

Das Stadtbild von Buenos Aires ist von den unterschiedlichsten Architekturstilen geprägt. Der Schein trügt allerdings, denn kaum ein Gebäude hier ist mehr als hundert Jahre alt. Einen „Städtischen Bebauungsplan“, wie wir ihn von zu Hause kennen gibt es hier sicherlich auch nicht, denn hier stehen moderne Hochhäuser neben Kolonialbauten und europäischen Palästen (beziehungsweise deren Nachbauten ein paar hundert Jahre später). Alles ist wild gemischt und immer für eine Überraschung bereit.

Im Gegensatz zu meinem ersten Eindruck der Stadt ist das Stadtgebiet von jeder Menge Parks und Grünflächen durchsetzt. Diese werden oft von riesigen Bäumen, Palmen und Statuen argentinischer Persönlichkeiten geschmückt. Die Leute setzen sich hier nieder um zu essen, zu reden und um der Urbanität dieser Großstadtfür einen kurzen Augenblick entfliehen zu können.

Weiter geht’s vorbei am Palast des Außenministerium, der stark nach Baujahr 1500 aussieht, aber gerade einmal 120 Jahre alt ist. In Sichtweite hiervon befindet sich folgendes Gebäude, welches nur ein paar Jahre älter ist, aber in völligem Kontrast zum Palast steht. Zu seiner Zeit war es mit seinen Hundertzwanzig Metern das höchste Gebäude Südamerikas und sollte einen neues Zeitalter mit dem Vorbild New York einläuten.

Finanziert wurde es von einer Dame namens Corinna Kavanagh, welche damit ein ganz persönliches Ziel verfolgte. Der eben erwähnte Sitz des Außenministeriums war formals der Wohnsitz einer der angesehensten und reichsten Familien Argentiniens. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier von Adel sprechen kann, aber auf jeden Fall bildeten sie die Spitze der Oberschicht. Ihren Reichtum trugen sie mit diesem edlen Palast zur schau, weswegen er heute hauptsächlich für Staatsempfänge dient, da er der luxuriöseste Palast des Landes sein soll. Ein paar hundert Meter davon befindet sich eine kleine Kirche, wo exklusiv die Familienmitglieder dieser Familie begraben wurden. Sie ist so gelegen, dass die Familie von den Eckfenstern ihres Palastes auf die Grabstätte ihrer Vorfahren schauen können.

Corinna Kavanagh war damals mit dem jüngsten Spross dieser Familie verlobt. Da sie allerdings nicht dem gleichen Stand wie ihr Verlobter angehörte, suchte dessen Mutter (gleichsam die Bauherrin des Palastes und der Kirche) deren Heirat zu verhindern. Sie schickte ihren Sohn für lange Zeit nach Europa, sodass dieser seine Verlobte vergessen solle. Es klingt nach einem Märchen, aber dem war scheinbar auch so.

Daraufhin machte Corinna Kavanagh es sich zum Lebensziel es seiner Mutter heim zu zahlen. Sie verkaufte ihr gesamten Besitz außerhalb von Buenos Aires und erworb ein großes Grundstück direkt neben der Kirche. Und sie begann mit dem Bau des eben gezeigten Hochhauses mit dem einzigen Grund das Idyll der Familie zu zerstören, indem sie damit den Blick auf die Kirche versperrte. Als das Gebäude fertig gestellt wurde, war sie schon seit Jahren nicht mehr am Leben, aber ihre Rache währte auch über ihren Tod hinaus.

Leider habe ich weder ein Foto des Palastes oder Kirche, aber stattdessen zeige ich euch dieses hier. Ich musste echt lachen, als ich im Nachhinein gesehen habe, wie wenig erfreut dieser Mann darüber war, dass ich (ausversehen) ein Foto von ihm geschossen habe.

Nach einer kurzen Pause haben wir uns auf den Weg zum Stadtteil Recoleta gemacht, welcher einer der ältesten und schönsten von Buenos Aires ist.

Recoleta ist gleichsam das Botschaftsviertel und beherbergt den berühmten Friedhof, auf welchem quasi alle berühmten Persönlichkeiten Argentiniens begraben sind. Die Führung endete auf dem Friedhof, wo der Guide noch eine kleine Geschichte über Evita Peron’s paraffinierte Leiche erzählte. Diese wurde Jahre lang durch Argentinien, Italien und Spanien geschleppt, da das damilige Regime befürchtete dass ihr Grab zu einer Pilgerstätte ihrer Anhänger gemacht werden würde. Heute liegt sie auch auf dem Friedhof in Recoleta. Ein seltsamer Ort. Die Ruhestätte der privilegierten Argentinier und deren Familien. Besucht von Millionen Touristen. Jedes Grab besteht aus steinernen Miniatur-Palästen mit meisten leicht offen stehenden Türen, als würde man den Toten die Möglichkeit zurück zu kommen offen halten wollen.

French Afternoon

Nach der Führung bin ich gegen 13 Uhr zufällig mit einem Franzosen ins Gespräch gekommen. Sein Name ist Vincent und er ist für zwei Wochen in Argentinien. Ich habe mich sofort gut mit ihm verstanden und er meinte ein Freund von ihm studiere hier und sie treffen sich gleich um die Ecke zum Mittagessen. Da ich sowieso noch keinen Plan für den Nachmittag hatte, habe ich mich ihm angeschlossen und wir sind zu dritt (Vincent, Florian und ich, das macht 2,5 Franzosen) in ein American Restaurant gegangen. Zugegeben nicht besonders originell für meine erste richtige Mahlzeit in Argentinien, aber der Burger war sehr lecker. Wir haben uns eine Weile sehr gut auf Französisch unterhalten, die beiden sind sehr freundlich. Florian, der hier ein Auslandssemester macht und schon seit vier Monaten hier ist, hat mir erklärt wie die Metro (in B.A. heißt sie „Subte“) und die Busse funktionieren. Außerdem weiß ich jetzt, dass man in Restaurants immer 10% Trinkgeld gibt. Ansonsten ist es hier nicht üblich Trinkgeld zu geben.

Florian hat sich nach dem Essen wieder zur Uni verabschiedet und Vincent und ich sind gemeinsam weitergezogen. Er hatte etwas über eine Ausstellung zeitgenössischer südamerikanischer Kunst gelesen. Fand ich auch nicht so übel, also los geht’s.

Unterwegs sind wir an ein paar Parks und einem dieser kräftig blühenden Bäume vorbeigekommen. Sie stehen überall in Buenos Aires und anscheinend haben wir Glück, da sie nur für rund zwei Wochen in Blüte stehen. Schließlich kommen wir zum Ausstellungshaus, dem Malba. Es ist ein großes Kunstmuseum mit wechselnden Ausstellungen.

Wie man evtl. erkennen kann gab es hier neben der bereits erwähnten Ausstellung auch eine Sammlung von Yoko Ono. Ich muss zugeben, dass mir lediglich der Name geläufig war, aber ich war auf jeden Fall gespannt.

Obwohl Vincent Informatiker ist scheint er ein gewisses Verständnis für Kunst zu haben. Wir haben Spaß dabei durch die Ausstellung zu laufen und gemeinsam zu rätseln, was die einzelnen Stücke bedeuten. Die Sammlung ist sehr politisch und gesellschaftskritisch, aber so ist Kunst in der Regeln nunmal. Jetzt dürft ihr selber mal rätseln.

Die Ausstellung von Yoko Ono war dagegen ganz anders. Einerseits fand ich diese zwar verstörend, andererseits war sie sehr interaktiv. Der Besucher war immer Teil der Ausstellung selbst und sollte diese mitgestalten, wie nachfolgendes Beispiel zeigt.

Nach guten zwei Stunden hatte ich dann genug Kunst für heute und Vincent und ich sind weitergezogen. Wir wollten noch nach Palermo gehen, den Stadtteil Buenos Aires, der für seine vielen Bars, Cafés und das Nachtleben bekannt ist.

Auf dem Weg dahin kamen wir an einen großen, mit Palmen gesäumten See. Man merkte richtig, dass wir im Freizeitbezirk der Stadt angekommen waren. Überall saßen die Leute zusammen, hörten Musik oder machten Sport. Es fuhren hier keine Autos und so nutzten die Leute die Straße um Inliner zu fahren, oder in großen Gruppen gemeinsam joggen zu gehen. Zudem war die Sonne gerade dabei unterzugehen, was die ganze Szenerie in ein goldenes Licht tauchte. Die Stimmung war einfach herrlich, anders kann ich das nicht beschreiben.

Danach haben wir uns noch eine Weile hingehockt und über das Leben geschwafelt, bis wir schließlich noch eine Runde durch die gemütlichen Straßen von Palermo gedreht haben. Zu guter Letzt haben wir mir noch eine „Carta Sube“ gekauft, welche man immer im voraus aufladen muss, bevor man die Metro oder den Bus nutzen kann. Dann bin ich mit der Metro heim gefahren. Google Maps sagt, ich wäre an dem Tag 23 Kilometer gelaufen…

Im Hotel habe ich mich den Abend über noch mit zwei Britinnen über Gott und die Welt unterhalten und bin dann ab ins Bett. Was ein Tag.

2 Gedanken zu “Francés en Buenos Aires

  1. Bonjour Rémi, Comment vas-tu ? J’espère que la suite de ton séjour se passe bien ! Ce fut un vrai plaisir de te rencontrer, et je suis désolé que nous n’ayons pas pu nous revoir avant mon départ. Au plaisir de te rencontrer un autre jour ! En attendant, bonne continuation pour la suite de ton voyage. Vincent

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    1. Salut Vincent,
      Je vais très bien 🙂 J’espère que ton voyage s’est bien passé aussi 🙂 C’est vraiment dommage que nous n’avons plus pu nous voire a Buenos Aires encore une fois. La prochaine fois 😉
      Merci beaucoup!
      Rémi

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